"Visionen"


Band:
Stefan Gleixner (Vocals)
Ulli Winter (Guitars)
Markus Köhler (Ac.Guitar on 3, Lead Git. on 20)
Sebastian Grimus (Saxes, Flute, Didgeridoo)
Willi Langer (Bass)
Richard Filz (Drums, Percussion)
Walter Chmela (Grand Piano, Keyboards, MIDI-Programming)

 

 

 

 



Trackliste:
1. 7-4 To 6-4 [5:00]
2. Pictures [8:11]
3. Morgenlicht [4:55]
4. Rain Forest [15:11]
5. Awaken To New Life
6. Threat
7. Human Being
8. Cleared Woodland
9. Exhaustion
10. Hope
11. Incredible Journey [3:36]
12. Land Of Children's Dreams [17:28]
13. Reagge
14. Confidence
15. Calypso
16. Desert
17. Rosary
18. The Well
19. Secret
20. Tage wie Rosen [4:13]

Total Playing Time 58:34

[Hörproben]


CD erhältlich bei STUDIO13, 3430 Tulln und Walter Chmela

siehe auch:
Walter Chmela & Band

 

Künstlerportrait BASIS Juni 2000, Walter CHMELA [von Brigitta Mathes]

Wie beschreibt der Taube dem Blinden Emotionen, die beim Betrachten eines visionären Bildes in ihm entstehen? Oder wie beschreibt der Blinde dem Tauben seine tiefen Gefühle beim Hören ergreifender Musik? Unmöglich? Und: Wozu diese Überlegung anstellen?

Es bedarf ein wenig Anstrengung, etwas Phantasie und in einem Printmedium der geeigneten Be"schreib"ung. Dann ist es nur mehr ein kleiner Schritt, um vor dem inneren Auge Bilder von ungeahnter Farbintensität oder Musik voll ergreifender Melodien, die unserer Innerstes berühren, entstehen zu lassen. Dann sind wir bereit für Visionen.

"VISIONEN" nennt Walter Chmela auch aus diesem Grund seine erste Solo-CD. Am Beispiel von "Rain Forest", das einer symphonischen Dichtung gleichkommt, läßt sich die visionäre Virtuosität des jungen Zwentendorfer Musikers wie ein modernes Märchen mit eindringlichem Aufruf zur Sorge um unseren Planeten erzählen. Ähnlich dem großen Klassiker Beethoven, der mit seiner 6. Symphonie, der Pastorale, die Formen der klassischen Symphonie hin zur symphonischen Dichtung der Romantik zu durchbrechen begann, bedient sich Chmela unterschiedlichster Stilmittel und elektronischer Instrumente, um Herkömmliches zu verändern.

Bedrohte Natur
Die Geschichte, die "Rain Forest" erzählt, ist so alt wie die Welt und somit zeitlos schön - und traurig. Im Unterschied zu Beethovens friedvollem Bild der Natur, das einzig durch den großen Gewittersturm erschüttert wird, sieht Chmela aber ganz klar die einzige Bedrohung unserer Natur - uns selbst.

"Rain Forest", das in zwei Schaffensperioden entstand, trug ursprünglich den Titel "New Forest", nach einem mystischen Wald in Südengland benannt, dessen Faszination sich Chmela während eines Urlaubs nicht mehr entziehen konnte. In der ersten Sequenz ist es eine einfache Melodie, die an schottische Klänge erinnert, unterlegt von getragenen Tönen eines imaginären Dudelsacks, die zum Streifen durch den mystischen "Ur"wald einladen. Vorbei an keltischen Steinkreisen und Baumriesen, die gewachsene Ruhe und Beständigkeit von Jahrtausenden ausstrahlen. Das satte, von Sonnenlicht durchflutete Grün wird lichter, Vogelstimmen sind zu hören und langsam, fast unmerklich mischen sich die Trommeln der Ureinwohner des Regenwaldes darunter. Die Flügel der Phantasie tragen das Bewußtsein mit der Melodie in diesen anderen ""Ur"wald.
Ewig könnte man es hier aushalten, die meditative Wirkung löst die große Sehnsucht nach der in der Hektik verlorengegangenen Ruhe aus. "Threat" -Bedrohung - trifft unvermittelt. Die Streicher im Hintergrund erzeugen ein diffuses Unbehagen. Darüber das klare, unüberhörbare Fragen einer Kinderstimme in Form einer indischen Sitar: "Mama, Papa - was ist es, wovor ich mich fürchte? Wovor muß ich Angst haben?" Die Antwort folgt wie ein Hammer - abrupt, stampfend, wuchtig, laut: "Human Being" Das einzige, Kind wovor du Angst haben mußt, ist der Mensch! Dem magischen, melodiösen - zerstörerischen - Rhythmus dieser Sequenz kann man sich kaum entziehen. Zum rücksichtslosen Zertrampeln gesellt sich die lockere Antwort auf die Kinderfrage. Aus derselben Melodie wird ein buchstäbliches "Ich-pfeif-mich-nichts". Kind, wir wissen doch, was wir tun, uns gehört die Welt. Der beängstigende Beigeschmack steigert sich bis an die Schmerzgrenze des Zuhörens. "Clearing Woodland" - die phantastische Bewußtseinsreise führt uns über verbrannte Erde aus der die traurigen, verkohlten Überreste des geschundenen Waldes ragen. Sind die Tropfen Tränen, mit denen der magische Wald seine Wunden leckt? Daraus entsteht meditatives Preludieren mit klassischen Elementen, gleich einer Orgel während des "Mea Culpa". Erkennt der Mensch nun langsam seine Schuld, die er mit dem rücksichtslosen Raubbau an der Natur treibt? Ist es das verlorene Paradies oder seine aufkeimende Sehnsucht nach dem Unwiederbringlichen, die er in "Exhaustion" -Erschöpfung betrauert und ihn innehalten läßt? Oder ist es nur egoistisches Selbstmitleid? Kommen wir mit "Hope" -Hoffnung noch einmal davon? Eine in Moll gehaltene Melodie läßt keinen Gedanken zu Übermut zu.
Und doch: der letzte Akkord läßt dem am Ende der Reise angekommenen Zuhörer durch die fehlende Terz die Wahl nach Dur oder Moll - Hoffnung oder Resignation - offen.

Die CD-Präsentation

Ergreifend, bewegend, aufrüttelnd. Musikalisch und technisch perfekt, präsentierte Walter Chmela am 25. März 2000 sein künstlerisches Talent im Rahmen der CD-Präsentation im Zwentendorfer Donauhof. Begleitet von Richard Filz (Drums, Percussions), Sebastian Grimus (Sax, Flöte), Thomas Mora (Bass) und Ulli Winter (Gitarre) sowie Stephan Gleixner als Sänger von "Morgenlicht" und "Tage wie Rosen", bot Chmela vor vollem Haus ein großartiges, anspruchsvolles Geschmackserlebnis für die Sinne. Walter Chmela über die CD-Präsentation: "Ich möchte mit meiner Musik Menschen zum Nachdenken anregen und Geschichten erzählen. Sie soll nicht nur perfekt in Szene gesetzt sein, sondern auch "ans Herz" gehen." Obwohl ihn selbst Lichtshows à la Jean-Michel Jarre, Pink Floyd oder ganz besonders die von Phil Collins oder dem "Visionär" Peter Gabriel faszinieren, setzt Chmela bei seinen eigenen Auftritten optische Effekte bewußt sparsam ein. "Man läßt sich viel zu sehr von Lichteffekten und einer tollen Lasershow beeindrucken und vom Wesentlichen ablenken: der Musik."


Ebenso be"sinn"lich wie die Musik sind die beiden Texte "Tage wie Rosen" und "Morgenlicht" von Gerda Kettinger.
Wir haben längst schon vergessen, daß wir hier nur Gäste sind, so sehr vom Fortschritt besessen, vom Überfluß blind! Und dennoch hoffe ich, geliebtes Morgenlicht, daß wir uns lang erfreuen an dir. Da wäre noch ein Weg durch Rücksicht und Verzicht, er führt zu Ursprung und Harmonie.

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